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Nachrichten > Kultur und Bildung

Vielsagend – auch ohne Worte


(Foto: Stefan Pahl)

(bro) (as) Wie kann sich ein Klavierabend mit dem Ukraine-Krieg auseinandersetzen und zur Demonstration für den Frieden werden? Dieses aktuelle Thema war ein echtes Anliegen der chinesischen Pianistin, die ihr Programm speziell darauf abgestimmt hat. Auch die Dekoration und die Beleuchtung im historischen Kapitelsaal brachte die Botschaft rüber: mit blau-gelbem Licht und kunstvollen Friedenstauben im verheißungsvollen Kirschblütenstrauß. All das sorgte für eine besondere Stimmung im Saal und schürte Erwartungen im Publikum. Es wurde nicht enttäuscht. Im letzten "KarmelAbend" der Saison 2021/2022 am 27. März erlebte das Publikum eine eindrucksvolle und berührende musikalische Friedensdemonstration.


Ruyun Wang begann ihr Programm mit einem zeitgenössischen Komponisten aus Japan, sie spielte von Toru Takemitsu aus „Rain Tree“, „Sketch 2“. Eine Musik, die in der Aussage ganz klar ist, fast bedrückend und doch faszinierend. Dieser Auftakt verdeutlichte: Dieses Konzert wird anders. Doch dann der Kontrast mit Schuberts Impromptus Nr. 1 in C-Moll mit seinem volksliedhaften Thema und dem marschartigen, punktierten Rhythmus einer Ballade. Mit dieser Musik lassen sich alle Emotionen eines Krieges spiegeln, das Leid des Volkes und das beängstigende Funktionieren des Militärs. Das folgende Stück aus der Feder des sowjetischen Komponisten Sergei Prokofiev, „Four Pieces for Piano“ fügte sich ebenfalls in das Thema des Abends ein. Prokofiev hatte dieses anspruchsvolle Werk komponiert, weil er nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist beeindrucken wollte. Und Ruyun Wang spiegelte mit ihrem Spiel alle feinen Schwingungen, von melancholisch bis temperamentvoll, mit Leichtigkeit und der brillanten Tiefe, die Prokofiev in dieses Werk legte.

Das darauffolgende Stück des tschechischen Komponisten Leos Janacek, „The Mist“, erzählt von Schmerz und Trauer. Janacek hatte seine Tochter verloren und diese Emotionen in seinen Kompositionen verarbeitet, die er in teils „nebligen, düsteren“ Tonarten verfasste. Und auch das letzte Stück spiegelte das Thema so intensiv und eindrucksvoll, dass das Publikum sichtlich gerührt war. Für seine „1.X.1905 Klaviersonate“ wurde Janacek vom Tod eines tschechischen Arbeiters inspiriert, der auf einer Demonstration vom Militär erschossen worden war. Ein schweres Motiv für eine Musik, das die Pianistin voller Respekt, aber auch mit spürbarer Trauer vermittelte. Eine tief emotionale Musik und atemberaubend schön. Das Publikum reagierte beeindruckt und begeistert zugleich.

Die Zugabe war ein Ereignis für sich: das Prelude von Skrijabin für die linke Hand. Dieses beeindruckende Werk war entstanden, weil der Komponist beim Üben seine rechte Hand zu sehr beansprucht hatte, aber weiterhin von seiner Leidenschaft für die Musik getrieben war. Die Art und Weise, wie Ruyun Wang dieses Stück spielte, ließ die Zuhörer eine Sinnestäuschung erleben: Mit ihrem virtuosen Spiel klang es, als würde die Pianistin mit beiden Händen spielen. Und schließlich machte ein glücklicher Zufall diesen Moment zu einem ganz besonderen: Denn exakt zur gleichen Zeit, als die Pianistin dieses Stück spielte, läuteten die Glocken der Klosterkirche nebenan und alle im Saal erkannten, dass sie in genau der gleichen Tonart erklangen. Friedensglocken zu einem Konzert, das keine Worte brauchte – bis auf den Segen, mit dem Pater Joshy diesen besonderen Abend beschloss.

05.04.22

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