20.10.2021

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Liebhaber der Romantik kamen auf ihre Kosten


(Foto: Förderverein Klosterkirche)

(bro) (hqu) Auch am 4. August um 20.44 Uhr war die Klosterkirche in Hirschhorn wieder voll belegt, als deren Förderverein zum AusKlang einlud. Das Thema „Liebe und Natur“ wurde angekündigt, und wer sich als Liebhaber der Romantik auf den Weg machte, wurde dank mehrerer sehr gelungener Darbietungen von Felix Mendelssohn-Bartoldy keineswegs enttäuscht, auch wenn das Ensemble dieses Thema auf die letzten 350 Jahre ausweitete.

Das sechsköpfige Ensemble bestand zur Hälfte aus den Mitgliedern der Familie Metternich aus Neckarsteinach, zur anderen Hälfte aus anderen hochkarätigen Künstlern aus nah und fern.

Dabei wechselten sich die strahlenden Sopranstimmen von Dorothea und ihrer Tochter Felicia Metternich mit der warmen Tenorstimme von Günther Hußlik ab, manchmal wurde duettiert, oft erhoben sich Carola Schäffners Flötentöne über die Kantilenen. Dazwischen verlas Schauspieler und Regieassistent Christian Metternich fesselnd Gedichte, die den roten Faden durch den Abend weiterführten. Natürlich durften dabei große deutsche Dichter wie Heine und Goethe nicht fehlen. Dies waren die wenigen Momente, zu denen das Klavier von Agnes Heilmann schwieg, welches sonst jedoch auffällig gekonnt in Klangfarbe und Stilistik zwischen den jeweiligen Epochen vom Barock bis zur Moderne differenzierte.

Beim Briefduett aus Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ diktierte die Gräfin alias Dorothea Feuerstein-Metternich ihrer Kammerzofe Susanna alias Felicia, wie sie den untreuen Grafen an einen Ort in den Garten locken soll, wo jedoch dann die Gräfin selbst als Zofe verkleidet auf ihn warten wird und überzeugt dabei mit ihrer ausgebildeten Koloratursopranstimme.

Zu „Think of me“ aus Webbers „Phantom der Oper“ wurde sogar die Muscal-Szene leicht angedeutet, als das Phantom alias Günther Hußlik plötzlich hinter Christine alias Felicia Metternich auftauchte. Als das Klavier am Ende des Songs erneut schwieg – jetzt aber, weil die junge Künstlerin mit Bravour kadenzierte, bekamen viele im Kirchenschiff Gänsehaut.
I
m Abschluss-Duett „Bote in der Nacht“ aus dem Musical „Elisabeth“ (Kunze/Levay) zeigte der Komponist leider nur selten, dass er in der Lage ist, zweistimmige homophone Sätze zu schreiben – die meiste Zeit verwendet er Oktavparallelen, die sich von selbst ergeben, wenn zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts miteinander singen.

Auch wenn die Akteure ihr Bestes gaben, blieb nach dieser plötzlichen musikalischen Trivialisierung am Ende des Abends doch etwas offen, zumal das Duett von einer abgestorbenen Liebe zwischen Kaiserin Elisabeth („Sisi“) und ihrem Gemahl, dem Kaiser Franz handelt – ganz anders, als der berühmte Spielfilm „Sissi“ dieselbe Ehe darstellt.

Nun, Begegnungen zwischen zwei aneinander interessierten Menschen müssen nicht zwangsläufig zu einer Liebesbeziehung führen, auch wenn sich beide nach dieser sehnen und sich um diese viele Gedanken machen. Davon handelt auch der philosophische Dialog zwischen der buchgelehrten Pamina und dem Naturburschen Papageno in Mozarts Singspiel „Die Zauberflöte“.

Als Dorothea Feuerstein-Metternich und Günther Hußlik zu erneut sehr einfühlsamer Begleitung von Agnes Heilmann dann als Zugabe dieses platonische Liebesduett überraschend aus dem Hut zauberten, wurde der Abend aber doch wieder hoffnungsvoll, denn „die Lieb versüßet jede Plage“. Schließlich endete der Ausklang mit den Worten „Mann und Weib und Weib und Mann reichen an die Gottheit ran“ und einer wunderschönen Koloratur, bei der Mozart stets verrät, dass diesem Werk von der Idee her eigentlich ein zur Kunstmusik avancierter alpenländischer Ländler zugrunde liegt.

20.08.21

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